Buchtipp: Vagabonda – Eine Frau und ein Pony unterwegs durch Europa

veröffentlicht von Sarah am 6. März 2015

Vagabonda Buchrezension

Ungarn, Rumänien, Bulgarien; Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien. Petra Nachbaur hat diese Länder bereist, besser gesagt, bewandert. Begleitet von einem Pony. Mehr als ein Jahr lang war sie unterwegs, lediglich im Winter legte sie eine Pause ein. Reduziert auf das Notwendigste, ihre Bleibe für die Nacht war ein kleines Zelt, zog sie los, um die Welt zu erwandern. Angefeindet, überfallen und schwer verletzt, aber auch herzlich aufgenommen und willkommen geheißen lernten und sie und ihr treues Pferdchen einige Länder Europas und vor allem die Menschen von einer ganz anderen Seite kennen, als dies Touristen gemeinhin möglich ist. Nun hat sie ihre Erlebnisse in diesem Buch zusammengefasst und lässt die Leser teilhaben an Glück und Leid, Freude und Verzweiflung, Geselligkeit und Einsamkeit, an einprägsamen Naturerlebnissen und chaotischen Großstadterfahrungen, kurzum an einem einzigartigen Abenteuer.

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Bevor ich das Buch „Land & Lotte“ gelesen und rezensiert habe, habe ich als thematisch ähnliches Buch „Vagabonda“ gelesen. Die österreichische Autorin Petra wandert mit ihrem 1,02 m großen Asterix im Jahr 2007 erst in den Osten und im Jahr 2008 dann in den Westen Europas.

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Vagabonda Karte

Während ich Land & Lotte an einem Tag verschlungen habe, war Vagabonda schwerere Koste. Zum einen weil es mit 272 Seiten und kleinerer Schrift etwas länger ist und zum anderen, weil es irgendwie wirklich krass war.

Ich kann mich gut mit einer Frau identifizieren, die mit Pferd durch Deutschland wandert. Aber mit einer, die alleine durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien läuft? Nicht so wirklich. Was nicht heißt, dass sie mich nicht trotzdem fasziniert hat. Aber so richtig verstanden habe ich sie nie.

Gefährliche Situationen und sexuelle Anmache stehen bei ihr auf der Tagesordnung. Hier ein Beispiel auf einer von mir zufällig aufgeschlagenen Seite:

„Der Mann kam näher. Ich solle doch einen Moment stehen bleiben. Nur einen Moment. Ich bin zu Höflichkeit erzogen worden, muss stehen bleiben und ihn anhören. Das Pferd zerrt an der Leine. Der Mann mustert mich. Ich sehe ihn fragend an. Ich solle da zum Auto. Nein, ich muss weiter. Wir setzen uns in Bewegung. Womit ich denn handle, fragt er. „Mit gar nichts. Ich reise. Guten Tag .“ Er wird wütend. Ja, aber dann solle ich doch gefälligst mitkommen, er bezahle ja schließlich dafür!“

Viele solcher Situationen gibt es auf ihrer Reise in den Osten. Und so richtig kann ich nicht verstehen, warum sie sich das antut. Denn nicht immer bleibt es bei einem Wortwechsel, wie ja auch schon der Klappentext des Buches verrät.

Generell kann ich nur ahnen, was Petra zu diesen Reisen antreibt. Sie schreibt dazu:

„Fortgehen. Es bedeutete nicht, alles stehen und liegen zu lassen. Es bedeutete, alles zu beenden, was bis dahin mein Leben bestimmt hatte. Es bedeutete, Freunde und Familie zurückzulassen, Nachfolger zu finden, Projekt zu übergeben und zu beenden. Es bedeutet, für meine beiden großen Pferde gute Plätze zu finden, alles zu verschenken, was ich hatte. Es bedeutete Loslassen. Ich hatte damals nicht vor, nur eine Reise zu machen. Ich ging fort, ohne zu wissen, wann und ob überhaupt ich wieder zurückkommen würde. Ich ging nicht auf eine Wanderung. Ich ging fort.“

Die Reise in Osteuropa macht gut zwei Drittel des gesamten Buches aus. Die Reise in den Westen ist dagegen schneller erzählt. Deutschland und die Schweiz werden in fünf gemeinsamen Seiten „abgehandelt“ (wobei Deutschland auch nicht besonders gut wegkommt, bei den vielen „Oh, der arme Esel!“-Rufen 😉 )

„“Schau, Mutti, der arme Esel muss viel zu schwer tragen und das um den ganzen See herum!“ Die Mutti war meist die Frau des Redners und dieser Satz war Standard in den Tagen nördlich des Bodensees. Nach einer Woche hatte ich keine Nerven mehr dafür, hatte längst aufgegeben, drei falsche Aussagen innerhalb eines so kleinen Satzes, der nicht einmal an mich gerichtet war, zu korrigieren. Ich erklärte es mir so, dass es in diesem Land und zu dieser Zeit eine besondere Tierschutzproblematik geben müsse, die ich als Durchreisende nicht verstehen konnte und bin geflohen.“

Vagabonda Buch

Der Schreibstil ist durch seine zum Teil extrem kurzen Sätze erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch irgendwie passend. Die Landschaft wird schön beschrieben und macht Lust diese selbst zu sehen. Auch die Besonderheiten der Länder und Kulturen sind spannend.

„Und eigentlich lag ja nur ein Fluss dazwischen. Es war ein anderer Kontinent. Mindestens. „Drei Wochen“, erinnerte ich mich, sprach es bisweilen wie ein Gebet. Drei Wochen! In drei Wochen spreche ich die Umgangssprache des Landes. Wie verhalte ich mich, um Vertrauen aufzubauen. Wie komme ich an die Menschen heran? Wie komme ich zu einem Lagerplatz? Welche Plätze sind vielleicht sowieso für Nomaden vorgesehen? Spreche ich hier die Frauen an, die Männer oder die Kinder?“

Insgesamt lässt mich das Buch aber etwas beklemmt zurück. So viel Gefahr, so viel Hass, so viel Gewalt.

Vagabonda BuchTrotzdem ist das Buch sehr spannend zu lesen und gerade wie die Autorin mit all diesem umgeht, ist beeindruckend. Auch die Beziehung zu ihrem Pony ist beispielhaft. Doch auch am Ende bleibt die Frage offen: Warum? Was treibt sie an?

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