So bringst du deinem Pferd den spanischen Gruß bei

veröffentlicht von Sarah am 21. Januar 2016

Header Spanischer Gruß clickern

Ich habe mich am Natural Horsemanship versucht, um die Beziehung zwischen Herrn Pony und mir zu verbessern. Harmonie und ein folgsames Pony waren meine Wünsche. Ich wollte im Bezug auf die Bodenarbeit dazu lernen, am Ende der Reise ruhig in der Mitte stehen und das Pony um mich herum tanzen sehen.

Gut, er hat so ziemlich alles mit gemacht, was ich von ihm verlangt habe. Das ist nicht der Punkt. Das I-Tüpfelchen aber hat gefehlt.

Wir hatten einfach keinen Spaß. Und war es nicht eigentlich das, was man sich in seiner Freizeit wünscht? Hat man nicht ein „Hobby“ (wenn wir das wirklich so nennen wollen), damit man ein paar Stunden in der Woche Spaß und Freude erlebt?

GEFÄLLT DIR, WAS DU LIEST?

DANN SICHERE DIR JETZT MEIN GRATIS E-BOOK

30 SEITEN VOLL MIT HILFREICHEN TIPPS & TRICKS, WIE DU MIT DEINEM PFERD WANDERN GEHEN KANNST 

Weder er noch ich waren von unserem Gegenüber begeistert. Zwar verbrachten wir relativ viel Zeit miteinander, die auch wirklich gut war, wenn wir nicht gerade an irgendwelchen Lektionen übten, aber soll das wirklich schon alles gewesen sein?

Ich kann mich an frühere Zeiten erinnern, in denen sich in meinem Kopf alles um Turniererfolge drehte, aber wollte ich dahin wirklich zurück? Ehrgeiz, tägliches Training, das Messen mit anderen? War das alles, was ein Leben mit Pferden zu bieten hat?

Unzufrieden mit meinem Leben, einfach noch nicht dort angekommen, wo ich hinwollte, durchsuchte ich das weltweite Netz nach Antworten auf Fragen, die ich noch nicht mal gestellt hatte. Zufällig bin ich so auf ein Lehrinstitut in Wien gestoßen, welches eine Ausbildung zum Pferdeverhaltensberater anbietet. Im Fernlehrgang, also ganz praktisch zu meistern, neben dem 40 Stundenjob und dem täglichen Ponybesuch. Angemeldet, losstudiert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Teil des Studieninhaltes war der Bereich Clickertraining. Positive Verstärkung, Targets, Leckerlis. Na gut, versuchen wir das. Immerhin ist es Lehrinhalt, also sollte ich mich auch damit beschäftigen.

Was soll ich sagen? Da war er, der Spaß. Zum ersten Mal konnten wir wirklich Erfolge verzeichnen, von nun an stand bei jedem Training ein Lächeln in meinem Gesicht, Herr Pony war aufmerksam und wartete ungeduldig auf die nächste Lektion, die er lernen konnte.

Ich bin Tanja, 32 Jahre alt (also eigentlich 29) schreibe auf dem Blog tash-horseexperience.click und besitze inzwischen zwei Ponys, einen 4jährigen Shetty-Wallach namens Spencer und einen 14 Jahre alten Dartmoor-Mix (Herr Pony). Daneben arbeite ich als Tippse und verhelfe seit einiger Zeit immer mehr Pferd-Menschen-Paaren zu einem besseren Miteinander. Vielleicht heute ja auch dir?

Testimonial-Tanja

Was hat es mit der positiven Verstärkung auf sich?

Die Bezeichnung positive Verstärkung ist in aller Munde, man hört davon an jeder Ecke.

Was aber ist diese positive Verstärkung? Was bedeutet das und wie kann ich sie anwenden?

Wenn dich diese Frage neugierig macht und du zudem wissen willst, wie du dir damit diverse Lektionen gemeinsam mit deinem Pony erarbeiten kannst, bist du hier genau richtig!

Die operante Konditionierung

Die positive Verstärkung ist ein Teil der Konditionierungstheorie, genauer der Operanten Konditionierung.

Diese wiederum bezieht sich auf das Lernen durch Versuch und Irrtum, was so viel heisst wie: Auf jedes Handeln des Pferdes folgt eine Konsequenz. Eine Verstärkung veranlasst das Pferd dazu, das gewünschte Verhalten öfter zu zeigen. Eine Strafe, welche auch ein Teil dieser Konditionierung ist, hingegen soll bewirken, dass unerwünschtes Verhalten weniger oft gezeigt wird.

Diese Konditioinierungstheorie setzt sich zusammen aus der positiven Verstärkung (etwas Angenehmes wird hinzugefügt), der negativen Verstärkung (etwas Unangenehmes wird entfernt), der positiven Strafe (etwas Unangenehmes wird hinzugefügt) und der negativen Strafe (etwas Angenehmes wird entzogen).

Die klassische Konditionierung

Um den ganzen Zusammenhang, auch mit dem Clicker, verstehen zu können, erkläre ich dir noch kurz die klassische Konditionierung.

Vielleicht hast du von dem Versuch mit dem Hund schon mal gehört? Einem Hund wurde Futter vorgesetzt. Vor der Fütterung ließ man eine Glocke ertönen. So lernte der Hund, dass, sobald die Glocke klingelte, gleich das Futter kommt.

Dieses Glockenbimmeln also hat dem Hund angekündigt, dass er gefüttert wird. Dies hatte zur Folge, dass der Hund anfing zu sabbern, sobald er das Gebimmel hörte.

So wurde der neutrale zum konditionierten Reiz (die Glocke), änderte eine unkonditioinierte Reaktion in eine konditionierte Reaktion (das Sabbern) und kündigt nun einen unkonditionierten Reiz (das Futter) an.

Das Training mit dem Clicker

Das heisst für den Clicker Folgendes: Hat das Pferd erst gelernt, dass der Clicker (im Versuch die Glocke) ein Leckerchen (oder eine sonstige Belohnung) ankündigt, kannst du ihn für weitere Lektionen nutzen.

Sobald also der „Click“ ertönt, weiß das Pferd, dass es richtig reagiert hat und eine Belohnung bekommt.

Diese Trainingsform erlaubt dem Pferd (wenn du es richtig machst), ganz viele richtige Antworten zu geben und damit viel gelobt zu werden. Anders, als wenn es erst durch viele Fehlversuche zufällig auf die richtige Antwort stößt. Das wiederum fördert die Motivation und in Folge natürlich auch den Spaß am Lernen!

Lesetipp: Warum Clickertraining weit mehr als eine Spielerei ist, kannst du hier nachlesen und hier liest du noch mehr Tipps, wie genau du mit dem Clickern genau anfängst. Du kannst auch ganz toll in der Freiarbeit mit einem Clicker arbeiten, wie dieser Bericht und das Video sehr berührend zeigt.

Targetttraining

Ich habe im Training mit dem Herrn die Erfahrung gemacht, dass er viel selbstständiger mitarbeitet, wenn er auf etwas reagieren kann, anstatt einem Druck zu weichen. Hierfür eignet sich ein Target sehr gut.

Ein Target soll zB vom Pferd mit der Nase oder einem Körperteil berührt werden. Ich verwende hier von Anfang an eine Gerte, weil diese auch im weiteren Trainingsverlauf immer wieder zum Einsatz kommt.

Der Handel bietet inzwischen aber auch viele unterschiedliche Targets an, du kannst aber auch selbst eines basteln, oder eine Fliegenklatsche verwenden.

Lesetipp: Grundlagen zum Targettraining findest du hier.

Mit dem Target zum spanischen Gruß

Eine sehr beliebte „Zirkuslektion“ ist der spanische Gruß. Diese Übung macht den meisten Pferden sehr viel Spaß und ist einfach zu erarbeiten.

Was du dafür brauchst:

  • Eine Gerte, oder ein Target
  • Falls du clickerst natürlich den Clicker
  • Eine Belohnung (wenn du nicht füttern willst im Training, such nach etwas Anderem, das deinem Pony Freude macht: wird es gerne gekrault? Hat es eine Lieblingsübung, die ihr als Belohnung einsetzten könnt? Freut es sich besonders, wenn du dich freust und es mit der Stimme lobst?)
  • Einen ruhigen Ort, an dem ihr nicht jede Minute gestört werdet
  • Spaß, Fröhlichkeit und eine positive Einstellung

So erarbeitest du den Spanischen Gruß mit positiver Verstärkung!

Such einen guten Platz für dein Pony aus, an dem es sich wohl fühlt und sich konzentrieren kann. Ruhig stehen sollte es schon beherrschen, damit ihr nicht in Hektik geratet. Stelle dich, mit deiner Gerte (und dem Clicker, falls du clickerst) und der Belohnung bestückt, auf Schulterhöhe neben dein Pony.

Kontakt herstellen

Berühre mit der Gerte eines der Vorderbeine (und bleib bitte vorerst bei einem Bein zum Üben). Falls du clickerst, clicke diese Berührung. Wenn du ohne Clicker arbeitest, verwende ein Stimmlob oder ein Zungenschnalzen, mit welchem du diese Berührung bestätigst. Dann belohne das Pony und freue dich (Freude ist wichtig – immer! 😉 ). Wiederhole diese Übung. Berührung + Click (oder Lob), anschließend belohnen.

Wichtig ist, dass die Berührung und das Lob gleichzeitig erfolgen, oder das Lob schnellst möglich nach der Berührung erfolgt. Die Belohnung (Futter, Kraulen, etc.) findet danach statt.

Spanischer Gruß beibringen

Hier siehst du, wie ich mit der Gerte das Bein des Herrn Pony berühre. Mit dieser Berührung lobst du!

Clickertraining Pony

Diese Futterposition wird dir das zukünftige Training erleichtern, da dein Pony gleich lernt, dass es nicht betteln muss, um etwas zu bekommen. Es lernt, dass das Futter verlässlich zu ihm kommt!

Achtung: Achte darauf, dass du das Futter nicht direkt an deinem Körper übergibst, sondern deine Hand zum Pony kommt.

Diese Berührung wiederholst du etwa 10 bis 20 Mal. So lernt das Pony, dass es für die Berührung belohnt wird und dass der Sinn dieser Übung die Berührung ist.

Kommt schon eine Reaktion?

Dann versuchst du als nächsten Schritt, die Gerte etwa einen cm. von der bisher berührten Stelle entfernt, ruhig zu halten. Zwei bis drei Sekunden. Reagiert dein Pony nicht, berührst du die Stelle am Bein wieder mit der Gerte, lobst (bzw. clickst) und reichst anschließend wieder die Belohnung.

Das wiederholst du wieder ein paar Mal. Zeigt dein Pony keine Reaktion, verlängerst du den Zeitrahmen, in dem du die Gerte (oder das Target) vor das Bein hältst. Das Pony wird ganz konzentriert überlegen, was es jetzt machen soll.

Hebt es auch nur ganz kurz das Beinchen an, clickst (bzw. lobst) du diese Reaktion sofort und belohnst es dafür. Dann hältst du wieder die Gerte vor das Bein.

Kleine Schritte führen zum Erfolg!

Es kann sein, dass dein Pony auch nach einer richtigen Reaktion (Beinchen anheben) noch nicht sicher ist, was es machen soll. Gib ihm Zeit und belohne jeden richtigen Schritt in die gewünschte Richtung. Lobe es also auch, wenn es das Bein nur kurz entlastet etc.

Spanischer Gruß clickern

Wie du auf dem Foto siehst, ähnelt die Bewegung einem spanischen Gruß schon, lobe das! Perfektion kommt später!

Auch eine eher rückwärts ausgeführte Bewegung ist Anfangs ein Lob wert! Die Vorwärtsbewegung kannst du im Trainingsverlauf erarbeiten.

Kunststück Pferd clickern

Nicht jedes Pferd lernt gleich schnell und gerade Pferde die vorher mit Druck trainiert wurden, können nicht so schnell umschalten. Lass euch also Zeit und gib euch möglichst viele Chancen auf ein Lob und einen positiven Erfolg. Du wirst begeistert sein, mit wie viel Freude dein Pony bei der Sache ist, wenn es erst mal weiß, worum es geht!

Zu beachten:

  • Achte darauf, dass dein Pony nicht hektisch wird oder in Stress gerät. Stress verhindert ein effektives Lernen!
  • Achte auf deine Futterposition. Wenn du mit diesem Artikel mit dem Clickern beginnen willst, hilft dir vielleicht mein Artikel über die Anfänge mit meinem kleinen Spencer
  • Achte auf dein Timing – Du bekommst immer genau das, was du clickst. Zuppelt dein Pony zB gerade im „Click-Moment“ an dir, kann es passieren, dass du es zufällig durch den Click dafür bestätigst :)

Wichtig: Nach jedem Lob gibt es eine Belohnung! Den Zeitpunkt des Lobes kannst du natürlich nach und nach verlängern, oder mehr Perfektion in der Ausführung verlangen. Immer aber musst du das Pony nach jedem Click oder Lob auch belohnen (Futter, Kraulen oder sonstiges).

Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Üben!

Hier nochmal der Blog von Tanja, die diesen Beitrag für mich geschrieben hat -> click!