„Mein“ Straßenkatzen-Projekt auf Zypern

veröffentlicht von Sarah am 24. Mai 2019

„Ich kann es auch einfach nicht lassen!“, sage ich zu mir selbst und schüttle mit dem Kopf. Fünf Augenpaare gucken mich teils verwirrt, teils ängstlich an. Augenpaare, die ich eigentlich überhaupt nicht in meinem Leben wollte. Die mich nie besonders interessiert haben. Fünf Augenpaare, die symbolisch für millionen weitere stehen: Zyperns Straßenkatzen.

Dabei wollte ich keine (weiteren) Tiere mehr in meinem Leben haben. Ich wollte frei sein. Einfacher mal eben so verreisen können. Nicht mehr so viel Verantwortung tragen. Und jetzt hocke ich hier in den Kieselsteinen, klappere mit Dosen und Trockenfutter, rufe laut „Kittyyyyyy, Kittyyy, Kittyy!“ und komme mir dämlich, aber auch verdammt glücklich vor.

Was war passiert?

Jeder, der Tiere liebt und nicht allzu sehr in der heilen Touri-Welt versinkt, wird auf Zypern schnell merken, dass es vielen Tieren sehr schlecht geht. Wir haben das riesige Glück gehabt, in einem ganz tollen Wohnkomplex gelandet zu sein, in dem sehr viele Tierfreunde wohnen und fast jeder einen Hund hat. Doch spätestens beim ersten Gang zu den Mülltonnen (in die hier alles unsortiert geworfen wird), sieht man sie: Die vielen Straßenkatzen. Sie suchen im Müll nach Futter, teils abgemagert, oft krank.

Zweimal im Jahr kommen dann für kurze Zeit Babykatzen dazu. Super süß, aber leider genauso oft schwer krank und lange leidend. Bis sie dann verschwinden.

Viele Straßenkatzen sterben sehr früh durch Krankheit oder sie verdursten oder verhungern. Die weiblichen Katzen werden das erste Mal schwanger, wenn sie eigentlich selbst noch Babys sind. Die männlichen Kater kämpfen permanent um ihren Rang in der Kolonie.

All das wusste ich bis vor Kurzem nicht. Ehrlich gesagt, hatte ich überhaupt keine Ahnung und auch keinen Bezug zu Katzen. Aber die schlechte Verfassung der Straßenkatzen hat mich erschüttert.

Ich habe herausgefunden, dass man die Katzen „einfach“ zum Tierarzt bringen und für die Kastration bezahlen kann. Danach werden sie wieder am Ursprungsort freigelassen.

Doch wie kriegt man eine wilde Katze in so eine Box? Und eine Box habe ich doch auch nicht?

Ich habe mich also ein bisschen umgehört und wurde an eine Organisation verwiesen, die hier in meiner Region arbeitet: CopsCats.

Ich muss aber auch gestehen: Ich hab das ganze erst einmal vor mir hergeschoben. Es kann sich doch auch jemand anderes kümmern. Ich wollte doch keine Tiere mehr, um die ich mich kümmern muss.

Zum Glück hat das Universum mir nicht zugehört, sondern mir genau im richtigen Moment eine Sprachnachricht schicken lassen. Von einer anderen deutschen Entrepreneurin, deren Nachbarin meine Instagram Story zu den Katzen gesehen hat.

So kam eines zum anderen und wir haben uns mit der Leiterin von CopsCats an einer Katzen-Futterstationen getroffen und uns erklären lassen, wie die Organisation arbeitet und wie wir uns einbringen können.

CopsCats

CopsCats ist eine Organisation, die komplett ehrenamtlich tätig und spendenbasiert ist. Die Gründerin ist eine Deutsche etwa in meinem Alter. Es helfen auch noch einige Briten und weitere Deutsche mit.

Ich selber mache ehrlich gesagt gar nicht so viel. Zumindest im Vergleich zu dem, was die anderen leisten. Die meisten haben eigentlich ständig Katzen, die medizinisch versorgt werden müssen oder Babykatzen, die alle 2 Stunden die Flasche bekommen müssen, zu Hause.

Neben dem Füttern der Straßenkatzenkolonien in unserem Gebiet, werden nahezu täglich Katzen eingefangen und zum Tierarzt gefahren, damit sie dort kastriert werden können. Am nächsten Tag werden sie dann wieder abgeholt und dorthin zurückgebracht, wo sie eingefangen wurden.

Trap-Neuter-Return (TNR) heißt das.

Doch leider ist es damit nicht getan, denn fast täglich gehen Hilferufe von Menschen ein, die Katzen gefunden haben: Verletzt, krank, ausgesetzt, vergiftet.

Die Leute von CopsCats springen dann ins Auto und helfen, wo sie nur können.

So manches Mal schon haben sie eine Katze gerettet, bei der ich, so schlimm wie es klingt, gedacht habe: Dafür lohnt sich doch die Mühe gar nicht. Die sieht so kurz vor Tod aus, da hilft doch nur noch erlösen.

Und manchmal ist das tatsächlich so. Manchmal kann man einfach nicht mehr helfen. Doch ich wurde jetzt schon so oft überrascht, was für eine Entwicklung die Katzen mit der richtigen medizinischen Versorgung und einer liebevollen Pflegestelle machen.

Wenn du Vorher-Nachher Fotos sehen möchtest, schau mal auf die Facebook Seite von CopsCats.

Und ich?

Inzwischen haben wir 11 Straßenkatzen aus meinem Komplex kastriert. Zwei davon diese Woche.

Wenn ich jetzt zu den Mülltonnen oder zur Futterstelle gehe, die wir neu angelegt haben, sehe ich immer öfter Katzen, die ich „kenne“. Denen ein kleines Stückchen Haut im Ohr fehlt, das sagt „Ein Tierschützer hat meine Kastration ermöglicht“.

Die inzwischen deutlich gesünder und fitter sind.

Jeden Tag kontrolliere ich nun die Futterstelle, fülle auf und mache das Wasser neu. Ich gebe Tropfen gegen Zecken und bei Bedarf Medizin gegen Ringwürmer.

Auf Zypern gibt es über 2 Millionen Katzen. Nur eine männliche und eine weibliche Katze sorgen innerhalb von 8 Jahren für über 2 Millionen Babys! Eine unvorstellbare Zahl, oder? Wenn nur zwei Katzen für so viel Nachwuch sorgen, kannst du dir ausrechnen, wie rasant sich die Situation verschlechtert und wie viele Tierseelen leiden und sterben.

Unsere Arbeit fühlt sich oft wie das sprichwörtliche Fass ohne Boden an. Für die Gesamtsituation hat sich nichts geändert. Für Millionen von Katzen wird sich überhaupt nichts ändern.

Doch ich hocke hier und schaue auf „meine“ 11 Katzen. Denn für diese Katzen hat sich das ganze Leben geändert.