Wenn mein Kind da ist, wird sich alles ändern. Nicht.

veröffentlicht von Sarah am 12. Mai 2016

Alles anders mit Kind

„Mit Baby ändert sich alles. ALLES!“. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Und ich weiß nicht, wie oft ich wegen diesem Satz schon in Verzweiflung ausgebrochen bin.

Das Problem dabei ist nicht, dass ich Angst habe, dass sich alles ändern könnte. Das Problem ist, dass ich diese Aussage schlicht und einfach für den totalen Schwachsinn halte.

„Du wirst schon sehen“, kommt dann als Kommentar zurück. „Noch hast du ja keine Vorstellung. Ich habe jetzt drei Kinder und es hat sich ALLES geändert.“

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Eigentlich wollte ich diesen Blogpost erst schreiben, nachdem mein Baby auf der Welt ist. Aber so lange kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Deswegen jetzt:

Liebe Eltern, ihr nervt.

Ihr habt nicht das alleinige Lebens-Wissen gepachtet und euer Leben ist nicht allgemeingültig. Klar, im Bereich Kinder kriegen und haben habt ihr mir einiges an Erfahrung voraus.

Das berechtigt euch trotzdem nicht dazu, mir pauschale Allgemeinsätze an den Kopf zu werfen und dabei wissend zu grinsen.

Ein Kind habe ich noch nicht. Aber auch für meinen Hund und mein Pferd muss ich Verantwortung übernehmen und mein Leben anpassen.

Wenn mir jetzt jemand erzählt, dass er auch bald einen Hund bekommt, dann sag ich „Ach, wie schön“, frage vielleicht noch nach Rasse und Alter und freue mich ansonsten an der Vorfreude des anderen.

Ich sage nicht: „Ui, da wird sich ALLES für dich ändern.“

Natürlich nicht, warum sollte ich das auch sagen?

Ja, nachdem ein Hund bei uns eingezogen ist, hat sich einiges geändert. Ich stehe morgens eher auf, bin mehr draußen unterwegs, habe zum Teil neue Hobbys bekommen und plane meine Urlaube anders.

Es haben sich Dinge geändert. Aber bei Weitem nicht alle.

Und genauso wenig wird sich alles ändern, sobald mein Baby nicht mehr in meinem Bauch, sondern draußen ist.

Ich werde nicht plötzlich schwarze Haare haben, 2 Meter groß sein und Elektro-Musik gut finden. Ich werde nicht meine ganzen Freunde verlieren und alle meine jetzigen Hobbys aufgeben.

Ich werde immer noch Sarah sein. Die Sarah, die ich auch vorher war, mit meinen Eigenschaften, Ängsten und Wünschen.

Ich werde mich weiterentwickeln. Aber ich werde nicht schlagartig ein anderer Mensch. Und ich weigere mich, das anzunehmen, nur weil sich bei anderen Eltern scheinbar über die Jahre eine ganze Menge geändert hat.

„Wenn dein Kind da ist, wirst du nur noch schauen, dass es ihm oder ihr gut geht. Du wirst die Bedürfnisse deines Kindes vor alles andere stellen.“

Da kann ich dir hier und jetzt antworten: Nein.

Nein, ich werde die Bedürfnisse meines Kindes nicht bedingungslos vor alles andere stellen.

Denn weißt du, wer mir noch wichtiger ist als mein eigenes Kind: Ich selbst.

Und das bedeutet nun nicht, dass ich egoistisch bin oder mein Kind nicht liebe.

Natürlich werde ich mich immer so gut wie möglich kümmern, ich werde an meine Grenzen gehen, sie vermutlich regelmäßig überschreiten und mein Bestmögliches geben.

Aber ich werde auch weiter meine eigenen Träume verfolgen. Und wenn das bedeutet, mein Kind mal abzugeben, um ein paar Stunden für mich selber zu haben, auch wenn es lieber bei mir bleiben würde, dann werde ich das tun.

Ich möchte meinem Kind vorleben, dass ich Träume habe und diese verfolge. Dass ich an mich selber glaube und hartnäckig bin. Dass ich meine Ziele erreiche.

Zur Not halte ich auch mit Baby auf dem Arm vor 500 Leuten einen Vortrag. Oder stille während eines Geschäftsmeetings (vielleicht ja sogar förderlich, wer weiß? ;)).

Ich glaube, dass das durchaus möglich ist, wenn ich es einfach mache. Und ich glaube auch nicht, dass das meinem Baby schadet.

Was hätte es denn davon, wenn ich meine Träume aufgebe?

Welches Bild würde es von mir und dem Leben bekommen, wenn ich gegen meine Prinzipien lebe? Wenn ich bis zur völligen Erschöpfung nur darauf achte, wie es meinem Kind geht und mich dabei selbst vernachlässige?

Manche Dinge sind verdammt cool in meinem jetzigen Leben. Und ich bin schlicht nicht bereit, einzusehen, dass ich darauf ganz verzichten soll, nur weil ich bald Mutti bin.

Wenn mein Kind geboren ist, wird sich bei mir einiges ändern.

Vermutlich sogar vieles.

Aber ganz sicher nicht alles.