Ein Jahr Mutter – Wie war das erste Jahr mit Kind?

veröffentlicht von Sarah am 1. August 2017

Ja, David ist jetzt schon ein Jahr alt. Und auch, wenn es abgedroschen klingt: Die Zeit geht wirklich so schnell rum.

Trotzdem bin ich ehrlich gesagt fast ein bisschen froh drum, denn dieses erste Jahr war oft auch keinesfalls einfach für mich. Zeit, mal wieder einen ehrlichen Bericht zu schreiben.

Wie ist das Leben denn nun so als Mutter? Hat sich mit Kind alles geändert?

Nein. Nein, es hat sich bei Weitem nicht alles geändert. Es hat sich sogar sehr wenig geändert. Und manchmal glaube ich, dass genau das auch das Problem ist.

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Timo und ich sind immer noch beide selbstständig. Wir arbeiten auch beide immer noch Vollzeit (so gut, wie das mit Baby eben geht). Und wir arbeiten beide von zuhause aus.

Auch habe ich natürlich immer noch Egon und Sturmi. Ich versuche, mein Pferd regelmäßig zu beschäftigen und wandern zu gehen. Auf dem Hundeplatz bin ich inzwischen sogar Trainerin und habe eine eigene Gruppe übernommen.

Du merkst vielleicht schon: Wenn in so eine Konstellation dann plötzlich ein Kind als neuer Faktor dazu kommt, kann man etwas ins Rotieren kommen.

Dabei war für mich von Anfang an klar, dass ich mein Leben so gut es geht wie bisher weiterleben möchte. Ich wollte nie eine von diesen Plötzlich-Nur-Noch-Muttis werden. Wobei das keinesfalls wertend gemeint ist. Ich kann es mir nur für mich überhaupt nicht vorstellen.

Hinzu kommt, dass ich mit so kleinen Kindern noch nie so richtig viel anfangen konnte. Ich hatte auch vorher kaum Kontakt zu Babys. Sobald ich mit einem Kind ein einigermaßen normales Gespräch führen und es auf einem Pferd sitzen kann, bin ich voll dabei 😉 Vorher fällt es mir manchmal schwer, wirklich Begeisterung zu entwickeln.

Wie habe ich das erste Jahr als Mutter nun also erlebt?

Kleinkind wandern

Ein Jahr Entwicklung im Überblick

Die ersten Wochen waren gekennzeichnet von totaler Stilldemenz.

Ich habe mich außerdem oft schon sehr eingeschränkt gefühlt, da mir wichtig war, dass David möglichst nur Muttermilch trinkt und ich dadurch immer mit meinen Brüsten vor Ort sein oder regelmäßig abpumpen musste.

Trotzdem waren die allerersten Wochen auch wie in einer anderen Welt. Ich habe ja auch kurz nicht gearbeitet und lag fast den ganzen Tag irgendwo auf dem Sofa rum.

Grund dafür waren aber auch die wirklich miesen Nächte. So ein kleines Menschlein hat einfach noch überhaupt keinen Tages- und Nachtrhythmus und ich bin nachts wirklich stundenlang singend mit schreiendem Baby auf dem Arm durchs Wohnzimmer gelaufen.

Als David älter wurde, folgte eine Phase, in der er eigentlich ganz entspannt war, aber um den 6. Monat herum wurde es wieder wirklich hart. Er schrie und schrie und schrie. Schlussendlich habe ich mich dann etwas mehr von ihm abgekoppelt, um nicht komplett durchzudrehen. Wir haben dann auch mit PRE-Milch angefangen, was ich eigentlich nie wollte.

Aber mir hat es sehr gut getan, mit 6 Monaten abzustillen. Es war einfach nichts mehr für mich bzw. für uns.

Dabei kann ich mich sogar noch an das allerletzte Mal stillen erinnern, weil ich sicher wusste, dass es das letzte Mal sein wird.

Danach wurde es für mich deutlich einfacher. Ich war wieder länger ohne David weg und konnte wieder deutlich mehr machen.

Als David etwa 9-10 Monate alt war, kam dann aber wieder eine extrem anstrengende Phase. Er wollte sich so gerne schon bewegen, hat es aber einfach noch nicht hinbekommen. Und was macht ein Kind dann (zumindest meins)? Richtig, es brüllt frustriert. Und das ziemlich ausdauernd.

Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Kunden am Telefon erklären musste, dass das Kind nicht gerade gefoltert wird, sondern einfach nur vorwärts kommen will.

Das war wirklich eine unglaublich anstrengende Phase für mich.

Mit 11 Monaten konnte er dann endlich einigermaßen krabbeln und am Tisch entlanglaufen. Uff, nun war er endlich glücklich und somit ruhig.

Jetzt ist er ein Jahr alt und läuft mit Begeisterung an unseren Händen. Den ganzen Tag. Der hat vielleicht eine Energie, das ist der Wahnsinn. Generell ist er gerade sehr zufrieden mit allem, erkundet Dinge und macht viel Blödsinn.

David und Egon

Wie kann man denn nun Baby und Pferd miteinander vereinbaren?

Das ging bisher zum Glück relativ gut. Am Anfang hat David viel im Tuch geschlafen, während ich mit Egon gelaufen bin.

Longieren mit Kind im Tuch

Inzwischen schläft er am Tag nicht mehr (nur mittags 20 Minuten) und möchte schon immer alles aktiv mitmachen. Da habe ich es aufgegeben, wirklich etwas mit Egon machen zu wollen, da David auch nicht mehr lange in der Trage ruhig ist.

Stattdessen nehme ich mir vormittags Zeit und fahre alleine zum Pferd. Da haben alle mehr von.

David kommt natürlich trotzdem noch nachmittags mit, aber dann nehme ich mir nichts vor, sondern spiele nur mit ihm im Gras und beobachte die Pferde. Das ist auch ganz schön.

Hier ist mir die Kinderbetreuung morgens echt wichtig, weil ich somit arbeiten, aber auch Freizeit alleine genießen kann.

Apropos Kinderbetreuung

Arbeiten, während das Kind Aufmerksamkeit will, geht wirklich so gar nicht.

Da es für mich vorher nie in Frage kam, ihn so früh in die Krippe zu geben, haben wir uns als David 8 Monate alt war, ein Aupair aus Portugal gesucht, die zum Glück sehr kurzfristig für 3 Monate kommen konnte.

Dies hat vieles leichter gemacht, nun konnten wir wieder deutlich mehr arbeiten. Mussten wir natürlich auch, so ein Aupair muss schließlich auch bezahlt werden.

Ich würde mir aber immer wieder so schnell wie möglich Hilfe holen. Ein Aupair ist da super, weil das Kind eben zuhause bleibt und nonstop 1:1 Betreuung hat. Inzwischen haben wir das nächste Aupair aus Vietnam, die ein Jahr bei uns bleiben wird.

Mit zwei Jahren wird David dann in die Krippe kommen.

Ich fand es immer ganz schrecklich sein Kind so früh schon wegzugeben, muss aber sagen, dass ich mir jetzt im Nachhinein auch hätte vorstellen können, ihn schon mit einem Jahr wegzugeben. Eben, weil er da total der Typ für ist.

David als Persönlichkeit

Ich habe es eben schon gesagt: David ist ein Typ für 24 Stunden rundum Action. Je mehr passiert, desto besser.

Mehrere Stunden nur in der Wohnung sind für ihn (und für uns) echt wahnsinnig anstrengend. Er will raus, mit Kindern toben, was erleben, ganz viel gucken..

Dann schläft er abends auch zufrieden ein.

Wir haben es noch nie gehabt, dass ihm irgendetwas zu viel wurde, im Gegenteil.

Das ist super praktisch, weil man ihn bedenkenlos überall mit hinnehmen kann. Manchmal ist das aber auch herausfordernd, weil wir jeden Morgen wieder überlegen, wie wir das Kind heute auslasten. Boot fahren? Beim Pferd rennen? Pfützen springen? Schwimmen? Was der Border-Collie bei Hunden ist, ist David bei Menschen 😉

Ein Zweites?

Kommt denn irgendwie noch ein Geschwisterkind für David dazu? Ich bezweifle es sehr. Einige meiner Freunde haben „nur“ ein Kind, was ich immer etwas merkwürdig fand, gerade weil sie erst unbedingt mindestens zwei haben wollen.

Inzwischen kann ich das aber gut verstehen. So lieb ich David habe (und das ist sehr, sehr lieb!), ich bin auch froh, wenn es dann in einem Jahr zumindest vormittags mal wieder ruhig zuhause ist und ich mal wieder in Ruhe arbeiten kann. Oder lesen. Oder auf Klo gehen.

Da wäre ich ja verrückt, wenn ich dann alles nochmal wiederhole.

Ich habe auch einige spannende Arbeitspläne, die ich nun verfolgen möchte und kann mir nicht vorstellen, wieder einige Wochen aufzuhören zu arbeiten.

Und Reisen möchte ich auch wieder mehr, zum Teil auch ohne Kind.

David hat 6 Cousinen und 1 Cousin, die altersmäßig alle zwischen 10 Jahren und relativ frisch geboren liegen und in der Nähe wohnen. Das muss reichen 😉

Bin ich glücklich?

Ja, definitiv. David ist wirklich lustig und hat den Kopf voll verrückter Ideen. Ich wollte auf gar keinen Fall ein ängstliches Kind und das habe ich auch bei Weitem nicht bekommen. Man kann viele verrückte Dinge mit David machen.

Trotzdem bin ich auch echt froh, dass er jetzt ein Jahr alt ist.

Es haben immer alle gesagt „Wenn der erstmal krabbeln kann, hast du keine ruhige Minute mehr. Dann sehnst du dich danach zurück, dass er nur da lag.“

Bullshit! Seit er krabbeln kann, ist er endlich mit sich und der Welt zufrieden. Und die paar herausgerissenen Bücher sortiere ich innerhalb einer Minute wieder ein.

Ich freue mich auch schon wirklich darauf, dass er alleine laufen kann, weil es einfach noch ein Stück Selbstständigkeit ist.

Und wenn er dann erst einmal reiten kann, fängt der Spaß so richtig an! 🙂

Ich glaube aber, dass ich auch ohne Kind glücklich wäre. Was nicht heißt, dass ich es bereue. Aber ich sehe ein Kind nicht als notwendig an, um zufrieden zu sein. Wenn sich eine Person dafür entscheidet, keine Kinder haben zu wollen, hab ich da 100% Verständnis für.

Das Leben mit Kind(ern) ist ein Lebensmodell von vielen. Es ist nicht unsere Verantwortung Kinder in die Welt zu setzen, sondern so zu leben, wie es für uns am Besten passt. Selber zu erkennen, was wir wollen und was nicht. Und uns somit selbst glücklich zu machen, statt irgendwelchen Ideen hinterher zu jagen, die nicht unsere eigenen sind.

Ich bin gespannt, wie sich mein von mir gewähltes Lebensmodell – der Mix aus Selbstständigkeit, einem Kind, Hund, Pferd, vielen Ideen – weiter entwickelt.