Endlose Weite und nordisches Wetter – Unterwegs auf dem Nordpfad Wümmeniederung

veröffentlicht von Sarah am 18. Mai 2017

Endlose Weite Header

„Er schläft! Lass uns schnell das Pferd bepacken! Nein, lass die Hunde noch im Kofferraum, das wird mir sonst zu wuselig. Polly, pssst! Verdammt, jetzt ist David aufgewacht. Egal, lass uns einfach ganz laut singen, ich bin schonmal am Hänger!“

Ja, das Wandern mit Baby bzw. Kleinkind ist definitiv Wandern 3.0 für Fortgeschrittene. Vielleicht hat es deswegen auch etwas gedauert, bis ich mal wieder so richtig unterwegs war.

Aber jetzt hat endlich mal wieder alles gepasst:

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Meine beste Freundin Mareike und ich haben tatsächlich beide einen ganzen Sonntag Zeit.

Alle Hunde und Egon sind fit.

Die Anhängerkupplung ist an Timos Auto montiert.

Der Reifendruck beim Hänger ist gecheckt.

Los geht’s! Und zwar nach Ahausen, wo wir Auto und Hänger in der Nähe der Ahauser Mühle abstellen. Nur 30 Minuten Fahrtzeit hatten wir von zuhause. Oft sind es wirklich die Gegenden rund um den eigenen Wohnort, die man einfach nie entdeckt. Schade eigentlich, denn hier ist es wirklich schön.

Auch Egon spitzt die Ohren und inspiziert die Umgebung. Da er weder andere Pferde noch saftiges Gras entdecken kann, lässt er sich ein klein wenig enttäuscht am Hänger festbinden, während ich ihn sattel und bepacke.

Dieses Mal ist es tatsächlich fast das erste Mal, dass ich wirklich ein Packpferd brauche. Ich trage David in der Trage vor dem Bauch und möchte ungerne auch noch einen schweren Rucksack auf dem Rücken haben.

Gut, dass Egon mir das ganze Gepäck abnimmt, so konnte ich auch einiges warmes Wasser für David und uns mitnehmen.

Mareike kämpft derweil mit 3 Hunden an 3 Flexileinen: „Ich hasse den Leinenzwang!!“ Leider dürfen wir die Hunde tatsächlich nicht frei laufen lassen, da dies in Niedersachsen zur Brut- und Setzzeit für drei Monate verboten ist. Naja, irgendwie geht es auch so.

Für heute haben wir uns einen Abschnitt des Nordpfades Wümmeniederung ausgesucht. Schon bald führt uns dieser in die herrlichen Wümmewiesen. Super weiter Blick, herrliche Landschaft – und überraschenderweise auch ganz passables Wetter 😀

Egon freut sich auch über das saftige Gras und läuft fleißig vorwärts.

Nach einer halben Stunde bekommt David Hunger und fängt an, sich zu beschweren. Da ich weiß, wie schnell das in wirklich schlechte Laune umschwenken kann (keine Ahnung, von wem er das hat 😀 ), krame ich schnell in den Packtaschen nach der Milchflasche und füttere ihn direkt an Ort und Stelle.

Natürlich gut bewacht von unseren drei Wachhunden. Ein vorbeikommender Spaziergänger bemerkt begeistert: „Die sind aber gut erzogen!“

Das Trinken aus der Flasche geht viel schneller als Stillen und so sind wir nur 5 Minuten später schon wieder auf dem Weg.

Während wir durch den Ort Hellwege laufen, schläft David auch schon wieder ein. Mareike und ich suchen uns derzeit unser zukünftiges Zuhause aus: „Das wäre doch nett, guck mal. Da hätte jeder von uns ein Haus für sich, aber wir würden uns ein Grundstück teilen.“

Es stehen auch wirklich chice Häuser hier und die Aussicht aus diesen ist phänomenal.

Wir durchqueren wieder die Wümmewiesen und laufen schließlich auch über die Wümme.

Jetzt geht es auf der anderen Seite weiter. „Wollen wir hier am Fluss Pause machen?“ fragt Mareike. „Ach, jetzt schläft David gerade, das wäre irgendwie doof, ihn jetzt zu wecken.“

Also essen wir nur schnell ein paar Kekse und laufen weiter. Manchmal denke ich mir schon, wie einfach es für Leute sein muss, die nur wandern gehen. Ohne Pferd. Ohne Hund. Und ohne Kind.

So schön es ist, es ist auch echt super anstrengend und deutlich aufwändiger.

„So langsam läuft sonst nur mein Papa!“, bemerkt Mareike lachend mit Blick auf Egon als wir schließlich eine Haussiedlung erreichen. Hier gibt es kein Gras und Egon hat seinen Bummel-Dös-Schritt aufgesetzt.

Dafür sind Polly und Sturmi ganz aufgeregt und strecken ihre Nasen in die Luft. Kurz danach läuft direkt vor uns ein Reh über die Straße und Mareike hat nun mit den drei Leinen wirklich zu kämpfen.

Ein paar Erziehungsmaßnahmen später, laufen alle drei Hunde wieder artig neben ihr. Milo, ihr Aussie, versteht die ganze Aufregung sowieso nicht und reiht sich in Egons gemächlichen Schritt ein.

Ich frage mich, wie die Häuser hier überhaupt ihre Post zugestellt bekommen, so abseits stehen sie. Trotzdem sehen wir überraschend oft ein Auto. Es ist Sonntag und viele arbeiten bei ihren Sommerhäusern im Garten.

David ist nach etwas einer Stunde wieder aufgewacht und grinst in die Kamera. Ich weiß nicht, wie, aber das mit dem Fotografieren hatte er direkt raus. Typisches Blogger-Kind eben.

Von dem langen Stück auf dem recht harten Siedlungs-Boden tun mir inzwischen echt die Füße weh. „Wie weit ist es noooooch? Ich hab Huuuuunger!“, jammere jetzt ich.

Zum Glück geht es wirklich bald wieder raus auf die Wümme-Wiesen und zurück zum Fluss. Wir beschließen dort eine Pause zu machen. Doch genau da taucht eine böse tiefdunkle Wolke am Himmel auf. „Mir egal, ich muss mich jetzt echt mal hinsetzen!“.

Als die ersten Tropfen fallen, breiten wir unsere Picknickdecke aus und befreien Egon von seiner Last, der am Pflock grasen darf.

Zum Glück bleibt es bei den paar Tropfen und wir können unsere Pause an der Wümme genießen.

Die Hunde sind inzwischen auch gut kaputt und dösen nebeneinander eine Runde.

Auch David ist froh, dass er zwischendurch aus der Trage raus kann und versucht erst, Mareike den Fotoapparat aus den Händen zu reißen und sich dann beim Wickeln in den Fluss zu kullern.

Danach lutscht er begeistert auf einem, noch eingepackten, Schokoriegel herum und steckt ihn, als wir gerade kurz abgelenkt sind, schließlich Milo in den Mund.

So richtig erholsam ist die Pause für uns also nicht. Aber irgendwie ist es auch lustig mit einem nun schon fast Kleinkind unterwegs zu sein.

Im Vergleich zur Wanderung in Holland, bei der David erst 3 Monate alt war, sind einige Dinge einfacher geworden. Er trinkt nicht mehr so häufig und kann sich selber eine Weile mit Gucken und Muttis Reißverschluss aufziehen, beschäftigen.

Noch wiegt er nur etwa 7 kg, die ich noch sehr gut vor dem Bauch tragen kann. Ich habe auch schon einen Versuch auf dem Rücken unternommen, aber bisher hab ich ihn lieber vor mir in Sicht- und Knutschweite.

Da es inzwischen schon wirklich spät geworden ist, brechen wir bald wieder auf.

Nun laufen wir einen kleinen Seitenarm der Wümme entlang und dieser Weg entpuppt sich als absoluter Traum. Wir können direkt am Wasser laufen, in das Milo und Polly begeistert klettern (Sturmi schaut nur völlig entsetzt zu) und ich habe mit Egon tatsächlich ein paar kleine Hindernisse und Hügelchen zu bewältigen.

Das tut uns nach der langen Wanderpause mal wieder richtig gut.

Kurz vor Ende unserer Tour passieren wir noch die Ahauser Mühle und schon stehen wir wieder an meinem Hänger. Insgesamt waren wir etwa 5 Stunden unterwegs. Gar nicht so lang, aber ich bin echt kaputt.

Der Rückweg ist dafür schnell geschafft und zusammen versorgen wir noch die Pferde. Zuhause drücke ich Timo das Kind in die Hand: „Ich muss die Beine hochlegen!“. Uff, jetzt merke ich die 7 kg Gewicht doch.

Egon war die ganze Tour über super artig und auch mit David hat es überraschend gut funktioniert. Er hatte schon Tage, in denen er in der Trage wild gestrampelt hat und unbedingt selber auf den Boden wollte. Das hat heute gut funktioniert. Mal schauen, ob das auch noch klappt, wenn er tatsächlich das Krabbeln für sich entdeckt.

Auf jeden Fall wollen Mareike und ich nun öfter mal auf Tagestour gehen. Es gibt noch einige Nordpfade und andere Wanderwege in der Umgebung, die wir entdecken wollen. Und im Juni steht für Timo und mich auch schon die nächste Mehrtagestour an. Natürlich auch wieder mit Hund, Pferd und Kind.