Wie ich ungeplant zum Shetlandpony kam – Die Geschichte von Egon und mir

veröffentlicht von Sarah am 21. April 2014

Ein Shetlandpony – klein, knuffig und schlau. Man muss diese drolligen, flauschigen Dinger doch einfach lieben, oder?

Zu meinem Shetlandpony Egon kam ich, wie irgendwie typisch für mich, ziemlich spontan und auch ein bisschen unbedacht.

Wie ich zu meinem Shetlandpony kam

Gemeinsam mit einigen Freunden war ich im Thüringer Schwarzatal wandern. Mit dabei: 5 Hunde und ein Shetlandpony. Das Pony gehörte damals noch meiner Freundin, die es selber erst vor 5 Monaten übernommen hatte. Schon zuvor war das Shetty als Packpony auf großer Reise unterwegs. Nun wartete es auf seinem Paddock auf einen neuen Einsatz. Dieser war für den Sommer geplant – eine dreiwöchige Wanderung nach Polen, bei welcher Egon einen Teil des Gepäcks tragen sollte.

Unsere Wanderung in Thüringen sollte der Testlauf sein.

GEFÄLLT DIR, WAS DU LIEST?

DANN SICHERE DIR JETZT MEIN GRATIS E-BOOK

30 SEITEN VOLL MIT HILFREICHEN TIPPS & TRICKS, WIE DU MIT DEINEM PFERD WANDERN GEHEN KANNST 

Doch so lieb das Shetlandpony auch war, so richtig wollte es einfach nicht funktionieren. Die Taschen rutschten ständig hinunter, der Pferdebauch scheuerte auf und so richtig schnell war es auch nicht unterwegs. Eigentlich sogar ziemlich lahm. Wenn man an einem Tag ordentlich Kilometer schaffen will, kann man Egon auf jeden Fall nicht mitnehmen. Schnell wurde der damaligen Besitzerin klar: Bis nach Polen in diesem Tempo – no way! Woraufhin sie uns drei Mädels fragte:

„Will nicht einer von euch ein Shetlandpony haben?“

Naa, was passierte wohl? Du kannst es dir sicher schon denken. Wie schon erwähnt: Egon war klein, süß und absolut knuffig. Ich konnte überhaupt nicht anders!

Na klar wollte ich ein Shetlandpony? Wer will schon kein Pony?

Auf der Wanderung selbst wurde natürlich noch nichts fest beschlossen. Erst einmal musste ich Timo davon überzeugen, dass wir uuuunbedingt ein Shetlandpony brauchen. Ich brachte also eine Reihe von Argumenten, die zweifeln ließen, wie wir bisher überhaupt ohne Pony überleben konnten. Allen voran natürlich der Aspekt des Packponys. Ein Shetlandpony, was auf unsere Wanderungen mit kann und dazu noch Gepäck trägt. Praktischer gehts gar nicht! Es dauerte nicht lange und Timo war überzeugt.

Soweit so gut. Doch wohin mit dem Tierchen? Unser Garten war etwas sehr klein und weiterhin alleine stehen sollte er auch nicht.

Zum Glück hing zu dem Zeitpunkt ein Flyer bei unserem Dorf-Supermarkt aus. Beworben wurde die Naturerlebniswiese, die im Nachbardorf angesiedelt ist und vielen Tieren ein tolles Zuhause bietet. Ein Anruf und spontaner Sonntagsmorgenbesuch später war klar: Der Platz ist perfekt! Da soll mein Egon hin!

Bevor es allerdings so weit war, mussten wir noch eine Haftpflichtversicherung für das Shetlandpony abschließen. Gut, dass das super unkompliziert geklappt hat.

Wenige Tage später war es dann soweit: Das Mini-Shetlandpony Egon zog auf der Naturerlebniswiese ein und wurde ein Teil unserer Familie. Es folgte ein kleines Schönheitsprogramm und ein gegenseitiges Kennenlernen. Die erste Male spazieren gehen waren übrigens grausam. Egon wollte erst einmal testen, wer der Chef ist, und hat es überhaupt nicht eingesehen, dass er nicht einfach grasen durfte, wo er wollte. Mit sanfter Konsequenz (und ohne Leckerlies, da hat er nämlich am Anfang nämlich extrem nach geschnappt) haben wir es aber geschafft und nun folgt er mir wirklich wie ein Hündchen überall hin.

So knuffig ein Shetlandpony auch ist, du solltest schon Ahnung von Pferden haben, bevor du dir eins anschaffst. Ich selbst bin jahrelang geritten und hab verschiedene Pferde betreut. Und trotzdem ist ein Shetty oft noch eine Nummer krasser. Die Kleinen nutzen jede Unsicherheit aus, sind super schlau und passen überall durch. Manchmal wirst du wirklich einen Haufen Geduld brauchen. Aber wenn das Vertrauen auf beiden Seiten erst einmal da ist, wirst du es nicht bereuen.

Shetlandpony Egon beim Schmusen

Du bist überzeugt und möchtest auch ein Shetlandpony? Dann kommen hier meine Tipps für dich:

Wie bekomme ich ein Shetlandpony?

Die Möglichkeiten, ein Shetlandpony anzuschaffen sind ziemlich vielfältig. Wenn du niemanden kennst, schau auf jeden Fall ins Internet. Dort findest du professionelle Züchter der Kleinen. Auch gibt es Not-Gruppen für Shettys, die ein neues Zuhause suchen. Dort bekommst du kostenlos oder für wenig Geld ein Pony. Natürlich musst du aufpassen: Was hat dieses Tier schon erlebt? Warum wird es abgegeben? Passt es zu mir? Nichts ist schlimmer, als wenn es immer weiter herumgereicht wird.

Wie alt wird mein Shetlandpony?

Shetlandponys werden bis zu 40 Jahre alt. Eine lange Zeit also. Möchtest du dich so lange verpflichten? Wirst du so lange Lust haben, dich um das Tier zu kümmern? Ich habe Egon bekommen als er ungefähr 10 Jahre alt war. Ein perfektes Alter. Die meisten Flausen sind schon aus dem Kopf, er kannte schon Führen, Straßenverkehr, Brücken, Hufschmied usw. und ist ein bisschen ausgeglichener als ein Jungpferd. Trotzdem werde ich mich noch Jahre oder gar Jahrzehnte um dieses Shetlandpony kümmern müssen. Sei dir dessen bewusst, wenn du dir ein Shetty anschaffst.

Darf ich ein Shetlandpony alleine halten und in den Garten stellen?

Nein. Pferde sind Herdentiere. Sie brauchen die Gesellschaft zu Artgenossen. Wie würdest du dich fühlen, wenn du nie wieder mit einem anderen Menschen reden oder lachen dürftest? Nie wieder überhaupt Kontakt zu einem anderen Menschen haben würdest? Und nein – du kannst niemals einen Artgenossen ersetzen. Wir Menschen sind einfach ganz lausige Pferde.

Was kostet ein Shetlandpony?

Die Anschaffung ist normalerweise sehr günstig. Zum Teil bekommst du die Kleinen fast geschenkt. Bedenken musst du dann zunächst die monatlichen Kosten. Diese sind ganz unterschiedlich, je nach Region und Haltung. Egon steht in Offenstallhaltung, womit ich sehr zufrieden bin. Ich persönlich bin überhaupt kein Freund von reiner Boxenhaltung. Für die Offenstallhaltung solltest du je nach Region etwa 200 Euro im Monat einplanen. Boxenhaltung ist vermutlich nochmal teurer. Doch damit ist es nicht getan. Was, wenn dein Shetty krank wird? Gar in eine Klinik muss? Die Kosten sind da schnell im mittleren vierstelligen Bereich. Deswegen solltest du von Anfang an Geld beiseite legen. Timo und ich machen das auf einem extra Konto. Jeden Monat zahlen wir dort Geld ein, welches wir im Falle einer Krankheit der Tiere nutzen können.

Kann ich auf einem Shetlandpony reiten?

Das kommt drauf an. Vermutlich aber nicht. Oder wenn dann nicht mehr lange. Als Faustformel gilt, dass ein Pferd und somit auch Shetlandpony etwa 20% seines Körpergewichtes tragen kann. Bei 150 kg Eigengewicht sind das also 30 kg. Ich vermute, du wiegst über 30 Kilogram, oder? 😉

Wie kann ich mein Shetlandpony dann beschäftigen?

Wandern natürlich 😉 Warum du dein Pferd mit zum Wandern nehmen solltest, habe ich hier erklärt. Ansonsten kannst du noch ganz viel Bodenarbeit machen und deinem Pony Tricks beibringen. Auch Kutsche fahren ist für die Kleinen eine tolle Sache. Im Winter können sie dann nämlich auch deinen Schlitten ziehen, das ist eine Gaudi! Deiner Kreativität sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Ein Shetlandpony kann wirklich dein Freund fürs Leben werden. Wenn du dir der Verantwortung, die die Haltung mit sich bringt, bewusst bist, wirst du viele Jahre extrem glücklich sein.

Hast du ein Shetlandpony? Oder noch Fragen zur Haltung?